WARNLAGEBERICHT für Deutschland

http://www.uwn-newsline.de/

 

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Mittwoch, 17.01.2018, 18:53 Uhr

Besonders im Bergland Schneeschauer mit Glätte. Oberhalb 400 m bis 10 cm Neuschnee. Vereinzelt kurze Gewitter. In der Südwesthälfte Sturmböen, exponiert schwere Sturm- oder orkanartige Böen.
Am DONNERSTAG: Böen bis ORKANSTÄRKE in einem breiten Streifen vom NW und W Deutschlands bis in den östlichen Mittelgebirgsraum!

Entwicklung der WETTER- und WARNLAGE für die nächsten 24 Stunden
bis Donnerstag, 18.01.2018, 16:00 Uhr:

Von Westen und Nordwesten gelangt besonders in höheren Schichten polare Meeresluft nach Deutschland. Am Donnerstag wird der Norden Deutschlands von einem kräftigen Sturmtief überquert, das vorübergehend milde Meeresluft in den Süden und ins mittlere Deutschland führt.

Heute Abend gibt es Schnee-, Regen oder Graupelschauer. Oberhalb von etwa 200 m fällt durchweg Schnee. Im Bergland ist damit noch etwas Neuschnee zu erwarten, meist 2 bis 5 cm.
Außer im Nordosten treten Böen bis 60 km/h (Stärke Bft 7) auf. Vor allem im Zusammenhang mit Schauern und Gewittern gibt es stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8). Auf den Bergen muss mit Sturmböen oder schweren Sturmböen (Bft 9 bis 10, exponiert auch mit orkanartigen Böen) gerechnet werden. Damit sind in den Höhenlagen der Berge Schneeverwehungen wahrscheinlich.

In der Nacht zum Donnerstag gibt es zunächst einzelne Schneeregen- oder Graupelschauer, vorübergehend klart der Himmel auf. Bei Temperaturen von +3 bis -2 Grad gibt es Glätte durch überfrorene Nässe, im Bergland durch Neuschnee oder Schneematsch.
In der 2. Nachthälfte kommen im Westen und Südwesten Niederschläge auf, die im Westen und Süden sowie bis Donnerstagmittag auch in den mittleren Gebieten von Schnee in Regen übergehen. Vorübergehend gibt es Schneeglätte durch 2 bis 5 cm Neuschnee.

Westlich des Rheins und in Baden frischt bereits in den Frühstunden des Donnerstags der Südwestwind kräftig auf. In Böen wird Sturmstärke erreicht. Das Sturmfeld breitet sich tagsüber rasch weiter nach Osten aus. In einem breiten Streifen vom Emsland und Nordrhein-Westfalen bis ins südliche Brandenburg, nach Sachsen und Oberfranken gibt es verbreitet schwere Sturm- und orkanartige Böen. In exponierten Lagen sind Orkanböen nicht auszuschließen. Auch weiter nach Süden hin frischt der Wind auf und es gibt Sturmböen, in höheren Berglagen orkanartige Böen oder Orkanböen. An der Kaltfront, die im Tagesverlauf auch den Süden erfasst, gibt es Schauer, vereinzelt Gewitter, die ebenfalls mit orkanartigen Böen bis in tiefe Lagen verbunden sein können. Vergleichsweise windschwach bleibt es bis nur ganz im Norden und Nordosten.
Im Norden kommen kräftige Schneefälle auf; innerhalb weniger Stunden können 5 bis über 10 cm Schnee fallen. Auch in den Hochlagen der nördlichen und zentralen Mittelgebirge sind 10, in Staulagen auch bis 15 cm Neuschnee zu erwarten, bevor dort die Niederschläge vorübergehend in Regen übergehen. Auch nach Osten und Südosten zu kann es, vor allem im Bergland längere Zeit schneien mit 2 bis 5, örtlich 10 cm Neuschnee.

Aktuell sind folgende Warnungen in Kraft:

WIND/STURM/ORKAN: Außer im Nordosten verbreitet starke bis stürmische Böen und vereinzelt Sturmböen aus Südwest. An der Nordsee ebenfalls Böen Bft 7. Auf den Bergen Sturm- und schwere Sturmböen, auf exponierten Gipfeln orkanartige Böen.

STURM/ORKAN (Unwetter-Vorabinformation): Ab Donnerstagfrüh in einem breiten Streifen von NRW und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und ab Mittag bis nach Sachsen ausgreifend schwere Sturm- und orkanartige Böen, in Verbindung mit kurzen Gewittern Böen bis Orkanstärke.

SCHNEE: Oberhalb von 200 bis 400 m, im Süden ab 600 m Schneefall und Glätte. In den Hochlagen der Gebirge teilweise 10 bis über 15 cm Neuschnee. In freien Lagen Schneeverwehungen.

FROST: Vor allem im Bergland und im Nordosten geringer Frost.

GLÄTTE: Gebietsweise Glätte durch geringen Schnee, Schneematsch oder gefrierende Nässe.

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Bernd Zeuschner

 

 

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 17.01.2018 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Donnerstag Sturmlage mit orkanartigen Böen, vereinzelt Orkanböen vor allem im
Norden. An der Kaltfront auch weiter südlich orkanartige Böen nicht
ausgeschlossen. Ganz im Norden und zum Teil zuvor auch im Bergland kräftige
Schneefälle. Im Schwarzwald Tauwetter nicht ausgeschlossen. Anschließend
Troglage mit kräftigen Schneefällen vor allem in Staulagen an den Alpen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … greift in der zyklonalen Westströmung ein flacher Rücken über, der
sich vor einem Sturmtief aufwölbt, das nachts die Britischen Inseln überquert
und in die südwestliche Nordsee zieht. Entwicklungsgünstig gelegen vertieft es
sich noch auf einen Kerndruck von 980 hPa (ICON).
Die Warmluftadvektion nimmt dem Rücken seine Wetterwirksamkeit und lässt im
Laufe der Nacht von Westen her Niederschläge aufkommen, die sich auf die Gebiete
westlich von Weser und Werra bis hinunter ins westliche Bayern ausbreiten. Dabei
fällt zunächst teilweise bis ganz runter Schneeregen oder Schnee, der aber
zunehmend in Regen übergeht. Zum Morgen steigt die Schneefallgrenze im Westen
schon auf an die 1000m. Im Bergland sind zuvor 5 bis 10 cm Neuschnee zu
erwarten, in tiefen Lagen dürfte es meist bei etwas Schneematsch bleiben. Mit
dem wieder auffrischenden Wind sind in Hochlagen vorübergehend Schneeverwehungen
zu erwarten. Im Westen und Süden kommen ausgangs der Nacht Windböen und
stürmische Böen aus Süd bis Südwest auf, im höheren Bergland Sturmböen bis
schwere Sturmböen.
Bevor es soweit ist, gibt es in der labilen Kaltluft zahlreiche Schauer und
einzelne Gewitter, die meist als Schneeregen oder Schnee fallen und
streckenweise für Glätte durch gefrierende Nässe, Schneematsch oder etwas
Neuschnee sorgen können. Sie ziehen sich in den Osten zurück, da durch den
Rücken und die WLA von Westen her Stabilisierung einsetzt.
Die Temperaturen gehen von allem im Süden und Osten sowie im Mittelgebirgsraum
unter den Gefrierpunkt zurück, am Erdboden ist dies außer im Westen recht
verbreitet der Fall. Entsprechend ist auch in Gebieten ohne Niederschlag, Glätte
durch gefrierende Nässe zumindest nicht ausgeschlossen.

Donnerstag … zieht das Sturmtief etwa entlang der ostfriesischen Nordseeküste
über den Hamburger Raum Richtung Uckermark und Vorpommern. Im Tagesverlauf
beginnt es sich langsam abzuschwächen.
Das sich südlich daran anschließende Sturmfeld breitet sich beginnend ab den
frühen Morgenstunden von Westdeutschland nach Osten aus und erreicht im Verlauf
des Nachmittags auch Sachsen, das südliche Brandenburg und Bayern. Dabei gibt es
verbreitet stürmische Böen oder Sturmböen, in exponierten Lagen schwere
Sturmböen. Vor allem in einem Streifen vom südlichen Niedersachsen und
Nordrhein-Westfalen bis ins südliche Brandenburg, nach Sachsen und Oberfranken
sind orkanartige Böen, exponiert auch Orkanböen nicht unwahrscheinlich. Auf
einigen Berggipfeln langt es zu extremen Orkanböen.
Mit dem Frontensystem, das zunächst einen breiten Warmsektor aufweist, gelangt
vorübergehend noch einmal sehr milde Meeresluft in den Süden, teilweise bis in
die mittleren Landesteile. Es gibt verbreitet Niederschläge, zunächst im Norden
und Osten und Süden Schneefälle, die dann in Regen übergehen. Die Niederschläge
nehmen mit der Kaltfront mehr und mehr konvektiven Charakter an.
Dabei steigt die Schneefallgrenze bis über 1000m, bevor sie mit Passage der
Kaltfront, hinter der wieder erwärmte Meereskaltluft einfließt, wieder beginnt
zu sinken. An der Kaltfront (etwas Cape, starke Scherung) wird in den Schauern,
eventuell kurzen Gewittern der Oberwind von 70 kt in 850 hPa runter gemischt, so
dass ebenfalls wieder orkanartige Böen, vereinzelt Orkanböen möglich erscheinen.

Hinweise auf Tauwetter finden sich im SNOW 4, das das Niederschlagsdargebot im
Schwarzwald im warnwürdigen Bereich simuliert.
Im östlichen Mittelgebirgsraum kann es längere Zeit, vielleicht sogar bis in den
Nachmittag hinein schneien, teilweise mit Mengen über 10 cm in 12 Stunden.
Verwehungen gibt es aber höchstens in Hochlagen. Auch nördlich des Tiefs und auf
der Zugbahn fällt Schneeregen oder Schnee, 12-stündig sind 10 bis 15 cm
Neuschnee nicht ausgeschlossen.
Der sehr nasse Schnee dürfte aber trotz einiger Bft 7, vielleicht auch Bft 8
direkt an der See kaum verwehen.
Während im Norden und Nordosten nur 0 bis 4 Grad zu erwarten sind, steigt in den
anderen Gebieten die Temperatur vorübergehend auf 5 bis 11 Grad.
In der Nacht zum Freitag wird das Sturmtief unter langsamer Auffüllung rasch
ostwärts gesteuert und verliert seinen Einfluss auf unser Wetter. An der
Südwestflanke dieses Tiefs sind zumindest in der ersten Nachthälfte im Osten und
Südosten noch Sturmböen und im höheren Bergland schwere Sturm- und orkanartige
Böen zu erwarten. In den anderen Gebieten hat der Wind bereits abgeflaut;
allerdings treten auf höheren Schwarzwald- und Alpengipfeln Böen bis Sturmstärke
auf. In der zweiten Nachthälfte wird der Wind auch im Osten und Südosten
schwächer, so dass dann auch dort warnrelevante Böen (allerdings bis hin zu
Sturmstärke) auf höhere Berggipfel beschränkt bleiben.
In der rückseitig einfließenden Kaltluft sinkt die Schneefallgrenze rasch bis in
Lagen zwischen 200 und 400 m ab. Im Bergland kann es daher einige, in Staulagen
auch um 5 cm Neuschnee geben. Verbreitet besteht jedoch Glättegefahr.
Die Kaltfront, die leicht schleifend die Alpen überquert, sorgt am Alpenrand für
kräftige Schneefälle, wo 10 bis 20, in Staulagen auch mehr als 25 cm Neuschnee
zusammenkommen können. Da dort der Gradient erst mit einer gewissen Verzögerung
schwächer wird, besteht die Gefahr von Verwehungen.

Modellvergleich und -einschätzung

Großartig neue Erkenntnisse liefern die bis dato verfügbaren neuen Läufe nicht,
was die Windentwicklung am Donnerstag angeht, so dass (trotz kleinerer
Unsicherheiten) mit der Herausgabe der Unwetterwarnungen (entsprechend der
Vorabinfo) vor orkanartigen bis Orkanböen am Mittwochabend begonnen werden kann.

Mit der Ausgabe der Schneefallwarnungen sollte aber noch gewartet werden, hier
sind die Unsicherheiten größer, vor allem was die Temperaturentwicklung angeht
und die Intensität der Niederschläge. Das kann nachts in Angriff genommen
werden.
Ansonsten ist die Entwicklung großräumig klar, der Sturmlage folgt – wie so
häufig – eine Troglage.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner