Convective Outlook

 

Gültig von: 01.08.2017 03:00 MESZ bis 02.08.2017 00:00 MESZ

Herausgegeben am: 31.07.2017 22:30 MESZ

Forecaster: Philipp Joppe

 

 

Warnstufe 2 wurde herausgegeben auf Grund von Auftreten von Starkregenschauern mit Mengen bis zu über 50 l/m² binnen kurzer Zeit, sowie schweren Sturm- bis Orkanböen von mehr als 120 km/h und Hagel mit Korngrößen von mehr als 5 cm.

 

Warnstufe 1 wurde herausgegeben durch das Auftreten von vereinzelten Gewittern mit Regenmengen von bis zu 30 l/m² innerhalb kurzer Zeit, lokal schweren Sturmböen um 100 km/h und Hagel mit Korngrößen von über 3 cm.

 

Synoptische Übersicht:

In der Nacht zu Dienstag zieht die Warmfront eines aus Frankreich aufziehenden Gewittertiefs über Deutschland hinweg. Dadurch kommt es bei stark labil geschichteten Luftmassen zu Hebungsprozessen entlang der Luftmassengrenze. In Folge dessen werden schwere Gewitter mit Unwetterpotential erwartet, die heftige Starkregenschauer und größeren Hagel mit sich bringen können. Im Laufe des Dienstags bildet sich über dem Nordwesten Deutschlands ein Gewittertief aus, welches sich tagsüber in Richtung Osten verlagert. Zusätzlich bewegt sich aus Frankreich eine Kaltfront auf Deutschland zu, durch die es erneut zu Hebungsprozessen von schwül-heißen und sehr stark labilen Luftmassen kommt. Entlang der Kaltfront wird es besonders ab den Abendstunden zu heftigen Unwettern kommen.

 

Diskussion:

Für die Unwetterlage in der kommenden Nacht berechnen die Modelle sehr feuchte Luftmassen, die sich mit sehr hohen PPW- Werten (niederschlagbares Wasser) auszeichnen. Das ICON6- Nest berechnet lokal mehr als 60 mm und auch das GFS berechnet mit Spitzen über 40 mm sehr hohe Werte, was zu heftigen Starkregenereignissen führen kann. Dazu kommt eine mit der Höhe zunehmende Windscherung, die bis zu 40 m/s erreicht. Damit besteht zusätzlich die Gefahr von eingelagerten Superzellen und großen Hagel.

Der Dienstag selbst bringt erneut sehr heiße und feuchte Luftmassen mit sich, die sehr stark labil geschichtet sind. Dabei werden hier CAPE- Werte von 2000 J/kg bis 3000 J/kg erreicht. Das GFS berechnet erneut PPW- Werte von bis zu 40 mm, was auch am Tag zu heftigen Starkregen führen könnte.

Für die Nacht auf Dienstag kann es durchaus eine sogenannte Squall-Line (Gewitterlinie) geben, an der sich die Gewitter aufreihen und durchziehen. Aber auch ein MCS kann nicht ausgeschlossen werden. Bei beiden Varianten besteht die Möglichkeit von eingelagerten Superzellen, welche dann lokal heftigere Begleiterscheinungen mit sich bringen können.

Das Schweizer Modell berechnet für den Dienstagnachmittag und Abend eine Gewitterlinie über Hessen, die auf ein MCS über dem südlichen Baden-Württemberg übergreift und eine neue Linie ausbildet. Allerdings kann es nach Durchzug dieser zu einer weiteren Linie in den späteren Abendstunden kommen. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass sich einzelne Superzellen einlagern können.

 

 

Modellvarianz:

In der Nacht berechnet das COSMO-DE den Schwerpunkt der Gewitter in einem Streifen von Eifel bis zum Saarland bis zur Lausitz hin. Das GFS dagegen sieht den Schwerpunkt der Unwetter weiter südlich vom Saarland beginnend. Das ICON stimmt was die Zugbahn betrifft mit dem GFS überein, sieht die Zuggeschwindigkeit aber langsamer und tendiert in dem Punkt eher zum COSMO-DE, welches die Niederschlagsereignisse in der Lausitz für die zweite Nachthälfte vorhersagt.

Für den Dienstagnachmittag sind sich ICON, GFS und EZMWF nicht genau einig, wo sich das Tief über Deutschland verlagert. GFS und EZMWF berechnen den Kern über Sachsen (Raum Leipzig/ Dresden), wobei das ICON das Tief etwas nördlicher sieht. Es wird auf die Lage des Tiefs und die Zugbahn der nahenden Kaltfront ankommen, wo am Dienstag die schwersten Gewitter auftreten.

Allgemein kann man sagen, dass die Modelle sich in der Gesamtsituation einig sind und lediglich in den einzelnen Parameter Unterschiede aufweisen.

Auf Grund der aktuell vorhandenen Unsicherheiten gilt zu beachten, dass es noch nicht genau vorherzusagen ist, wo am Dienstag die Schwerpunkte liegen. Es bleibt abzuwarten, was die Modellläufe von heute Abend berechnen und sagen. Lediglich die Bedingungen sind gegeben. Zudem gilt, dass es bei Weitem nicht jeden treffen wird, sondern die Gewitter mit Starkregenschauern örtlich sehr begrenzt auftreten können. Die aktuellen Warnungen gibt es in der WarnWetter-App des DWD.

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